Sonja

Berlin

Franzi

M├╝nchen

“Die gr├Â├čte Angst der Frauen ist, dass die Partner nicht mit in den Krei├čsaal d├╝rfen.”

ZZZ

Aus der Blog-Serie “Elternsein und Elternwerden in Coronazeiten”:

Traumberuf Hebamme: Babys in diese Welt hineinhelfen, M├╝tter und Eltern begleiten. Und jetzt: Abstand und gleichzeitig neue ├ängste bei den Frauen besprechen. Wir haben uns in unserem Hebammenumfeld umgeh├Ârt. Hier berichtet Hebamme Cornelia, besucht mal ihren Instagram-Account Frau Hebamme:

Windelei: Wie hat sich deine Arbeit ver├Ąndert als freiberufiche Hebamme?

Cornelia: Meine Arbeit ver├Ąndert sich derzeit extrem, unter anderem d├╝rfen wir jetzt Telemedizin nutzen. Ich habe meinen Frauen eine Email geschrieben, dass sie sich einen bestimmten Videodienst herunterladen sollen, ├╝ber den wir verschl├╝sselt in Kontakt bleiben k├Ânnen. Meine schwangeren Frauen versuche ich nach M├Âglichkeit nur noch dar├╝ber zu betreuen. Zum einen um mein pers├Ânliches Risiko zu minimieren, mich nicht anzustecken, zum anderen zum Schutz meiner Frauen, auch hier eine Weitergabe des Virus hier zu vermeiden. Meistens geht das auch, aber wenn ich merke, dass ein Treffen notwendig ist, weil ich einige Handgriffe an der Frau durchf├╝hren muss oder weil die Frauen bestimmte Therapien wie Kinesiotaping brauchen, fahre ich nat├╝rlich auch weiterhin raus.
Im fr├╝hen Wochenbett fahre ich nat├╝rlich zu meinen Frauen. Auch ihnen sage ich, dass sie Besuche stark einschr├Ąnken sollen. Ich empfehle ihnen, dass nur noch die Eltern bei meinem Besuch anwesend sind und bitte 2m Abstand halten, wenn es m├Âglich ist. Das geht nat├╝rlich nicht wenn ich die Mutter oder das Baby untersuche. Die Hygienevorschriften habe ich nochmal h├Âher f├╝r mich selber gesetzt, als eh schon:┬á So trage ich jetzt immer einen Mund-Nasen-Schutz beim Arbeiten und habe meine geliebte sch├Âne Hebammentasche gegen eine leichter zu desinfizierende Plastikbox getauscht.┬á

Hebamme mit Mundschutz
Mit Mundschutz zur Mutter und Baby unterwegs

Wenn ich merke, dass nicht mehr so viele k├Ârperliche Untersuchungen notwendig sind, versuche ich auch die sp├Ąten Wochenbetten auf Videotelefonie umzustellen. Au├čerdem habe ich allen meinen Frauen im Wochenbett gesagt, sie sollen sich eine Babywaage besorgen, weil ich auch f├╝r den Fall der F├Ąlle, dass ich selber in Quarant├Ąne muss, vorsorgen m├Âchte. Sollte ich mich also infizieren, aber vielleicht nur leichte Symptome haben, kann ich sie so weiterhin per Videotelefonie betreuen.

Windelei: Und was hat sich im Krei├čsaal ge├Ąndert?

Cornelia: In meinem Krei├čsaalarbeit ist es jetzt, dass nur noch eine genannte Person mit in den Krei├čsaal und zu Besuch kommen darf. Das ist meist der Vater. Ich muss sagen, dass sich das bei uns sehr positiv auswirkt. Es tut den Frauen gut, da sie viel mehr Ruhe haben, um ihr Neugeborenes kennenzulernen. Au├čerdem entlastet uns das als Personal total, weil wir merken, dass wir deutlich weniger Diskussionen f├╝hren m├╝ssen zum Beispiel mit Leuten, die am liebsten schon direkt nach der Geburt in den Krei├čsaal hinein wollen, um Mutter und Kind zu sehen. Und genau das f├Ąllt jetzt weg.

Die V├Ąter d├╝rfen bei der Geburt bei uns dabei sein und einmal am Tag f├╝r eine Stunde zu Besuch kommen. Die Familienzimmer bieten wir weiterhin an.

Ansonsten werden die Babys geboren wie immer. Wir haben auch nicht weniger zu tun, auch deshalb ist die Krei├čsaalarbeit gleich geblieben. Dennoch muss ich betonen, dass auch f├╝r uns die Situation dynamisch ist. Das hei├čt wir passen uns immer wieder den eventuell neuen Regeln an. Zu Beginn eines jeden Dienstes geh├Ârt es f├╝r mich mittlerweile dazu, einmal zu schauen, wie die aktuellen Regelungen sind.

Windelei: Welche Sorgen haben die Frauen, die kurz vor der Geburt stehen derzeit? Wie gehst du damit um?

Cornelia: Die gr├Â├čte Angst der Frauen ist, dass die Partner nicht mit in den Krei├čsaal d├╝rfen. Da das ja bei uns gestattet ist, kann ich ihnen diese Angst schnell nehmen. Viele Schwangere haben auch Sorge sich selber zu infizieren. Meist besprechen wir diesen Umstand, sie sind selber gut informiert, schlie├člich sieht es bislang so aus, dass sie nicht zur Risikogruppe geh├Âren. Ich nehme ihnen das ab, indem ich lange und in Ruhe mit ihnen ├╝ber ihre ├ängste rede und sie ├╝ber die Sachebene versuche zu erreichen. Das funktioniert meist sehr gut.

Hebamme Cornelia
Hebamme Cornelia – ein L├Ącheln auch in schwierigen Zeiten

Windelei: Was stimmt dich positiv?

Cornelia: Was mich pers├Ânlich positiv bleiben l├Ąsst ist zum einen die Welle an Solidarit├Ąt, die man jetzt erlebt. Ich bin selber Mama und habe meinen 1,5 j├Ąhrigen Sohn, der genauso lacht und genauso Sp├Ą├če macht, wie sonst auch. Da sieht man einfach: Kinder zeigen einem worauf es ankommt. Die sind trotzdem fr├Âhlich und freuen sich ├╝ber den Sonnenschein und das l├Ąsst mich positiv bleiben. Genauso im Beruf: Die Eltern freuen sich riesig ├╝ber ihr Kind und das ist einfach was Gutes in unserem Job. Das ist einfach sch├Ân zu sehen und hilft einem weiterzumachen.

Windelei: Was glaubst du, was sich pers├Ânlich ├Ąndern wird nach der Pandemie?

Cornelia: Ich erhoffe mir durch die Coronakrise, dass Berufe die jetzt als systemrelevant eingestuft werden, endlich auch einen Schub erhalten, was Bezahlung, was gesellschaftliche Anerkennung angeht. Sonst sind diese Berufe nur durch schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten und damit nicht die tollsten Bedingungen in den K├Âpfen gewesen. Und vielleicht bleibt davon ja auch ein wenig h├Ąngen.

ONLINE-Kurse: Geburtsvorbereitung | R├╝ckbildung | Baby-Massage

ZZZ

Vor und nach der Geburt gibt es f├╝r Eltern und Familien viele Kurse. Neue Zeiten erfordern neue Wege, in diesem Fall: Kurse online. Wir stellen euch hier eine Auswahl an Anbieterinnen f├╝r verschiedene Kurse zusammen.

Diese Liste wird st├Ąndig erweitert. (Stand 22.04.2020)

Geburtsvorbereitung

R├╝ckbildungskurse

Babymassagekurse

 

*Quelle: GL├ťCKSMAMA | Foto: Sonja Hornung Photography