Sonja

Berlin

Franzi

MĂŒnchen

“Druck macht mir vor allem der Gedanke, Thees nicht ausreichend fordern und fördern zu können”

ZZZ

Aus der Blog-Serie “Elternsein und Eltern werden in Coronazeiten”:

Wie fĂŒhlt sich das Leben einer Mama mit Kleinkind derzeit an? Welche Auswirkungen hat Corona auf ihr Leben? Wie bekommen sie Kind, Beruf und Social Distancing organisiert? Wir haben uns in unserem Kundenkreis umgehört. Hier berichtet Constanze S., Mama von 20 Monate altem Sohn aus Kreuzberg.

Windelei: Eine neue Zeit lÀsst die Welt scheinbar stillstehen. Was hat sich mit dem Kontaktverbot und Social Distancing bei euch in der Familie geÀndert?

Constanze: TatsĂ€chlich gar nicht so viel, außer dass wir natĂŒrlich viel mehr Zeit miteinander, insbesondere auch zu dritt, verbringen. Das genießen wir auch sehr. Vielleicht sind wir etwas lockerer im Umgang mit Medien geworden. Wir videotelefonieren z.B. viel öfter mit Oma und Opa und machen auch schon mal das ein oder andere Video mehr an. Z.B. Kindertanz zum mitmachen, die Hunde von Freddies Bruder und seiner Frau oder – wenn gar nichts anderes mehr hilft – ausrĂŒckende Feuerwehrautos und Krankenwagen – auf Youtube findet man ja glĂŒcklicherweise fĂŒr jeden Geschmack etwas!

Windelei: Gib uns einen kleinen Einblick in den Alltag mit deinem Kind. Wie verbringt ihr euren Tag?

Kind knetet auf einem Tablet
KleinkindbeschÀftigung wÀhrend Corona

Constanze: Thees ist pĂŒnktlich wie ein Uhrwerk gegen 7.00 Uhr wach. Oft darf einer von uns beiden noch liegen bleiben, wĂ€hrend der andere die ersten beiden Stunden des Tages mit Kaffee kochen, FrĂŒhstĂŒck und spielen ĂŒbernimmt.
Meist weiß Thees den Vormittag noch gut, wie er sich beschĂ€ftigen möchte, so dass wir ihn grĂ¶ĂŸtenteils freispielen lassen. Bude bauen, Suppe aus Quetschiedeckeln kochen oder seine Schleicht-Tiere sortieren sind momentan die Favoriten. Gerne guckt Thees auch auf einem Hocker stehend bei der Zubereitung des Mittagessens zu und hilft beim Tisch abrĂ€umen. Einer von uns beiden betreut ihn dabei, wĂ€hrend der andere im Homeoffice sitzt.
Zwischen 11.30 und 14:00 Uhr ist Mittagszeit – erst Essen, dann Schlafen – mit etwas GlĂŒck eine gute Stunde, mehr war da leider noch nie drin.
Nachmittags gibt es einen Obstsnack und anschließend machen wir einen Spaziergang. Hinterm Haus befindet sich eine Baustelle mit zwei KrĂ€nen – da gibt es immer etwa szu sehen, so dass die Spielplatzschließung nicht so schwer fĂ€llt.
Bis zum Abendessen, wenn das Freispielen schon etwas schwerer fĂ€llt, versuche ich Thees Angebote zu machen, z.B. mit Fingermalfarben oder Knete. Sehr gerne schauen wir uns auch BĂŒcher an. Abendessen gibt es gegen 18:00 Uhr und da wir momentan versuchen, das Töpfchen in das Abendritual zu integrieren, kann das Fertigmachen fĂŒrs Bett schon mal sehr ausgiebig dauern. Anschließend wird noch im Bett gelesen und wenn wir selbst nicht mit einschlafen, beginnt gegen 19.30 Uhr die Elternzeit.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass Social Distancing auch die Möglichkeit bietet, all die Bastel- und Spielideen umzusetzen, die schon so lange auf meiner Liste stehen, oder auch mal Projekte wie “Kleiderschrank aussortieren” anzugehen. Mehr Zeit hat Corona allerdings nicht gebracht…solche Sachen fallen nach wie vor in die Abenstunden.

Kleinkind schaut durch das Glas einer InnentĂŒre
“Unsere Homeoffice-RealitĂ€t – meist fĂŒhlt man sich recht beobachtet…”

Windelei: Wieviele Gedanken machst du dir um eure nahe und ferne Zukunft und speziell die deines Kindes. Hat sich da etwas geÀndert, seitdem Corona bei uns angekommen ist?

Constanze: Erstaunlicherweise habe ich (noch) keine ExistenzĂ€ngste, obwohl wir beide in Kurzarbeit sind – ich bin optimistisch, dass wir spĂ€testens nach dem Sommer wieder durchstarten können. Druck macht mir vor allem der Gedanke, Thees nicht ausreichend fordern und fördern zu können – ich habe die Arbeit der KindergĂ€rtnerinnen tatsĂ€chlich nochmal sehr viel mehr schĂ€tzen gelernt in den letzten zwei Wochen.
Ich hab schon das GefĂŒhl, dass Thees die soziale Interaktion mit den anderen Kindern fehlt, auch wenn er dass mit seinen 1,5 Jahren noch nicht klar artikuliert. Ich merke allerdings, dass wir in den letzten Tagen sehr viel mehr “gugge” und mitspielen mussten.

Windelei: Was lÀsst dich positiv nach vorne schauen?

Constanze: Vor allem das gute Wetter. Wenn morgens bereits die Sonne scheint, ist das enorm hilfreich fĂŒr die Laune und lĂ€sst die Vorfreude auf den Sommer wachsen. Selbst wenn da noch immer nix mit Picknicks oder Baden am See sein sollte, haben wir glĂŒcklicherweise einen Balkon, der dieses Jahr auch etwas Ernte abwerfen und demnĂ€chst entsprechend prĂ€pariert werden soll.
Gegen soziale Isolation machen wir mit unseren Freunden regelmĂ€ĂŸig Video-Konferenzen, wobei immer jemand ein Spiel o.Ă€. vorbereitet – und ganz ehrlich: dadurch, dass das bequem von der Couch aus geht, sind wir hĂ€ufiger bei solchen Treffen dabei als vor Corona.